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"Die Glocke" zu "Adolphinum - all inclusive" am 18.03 2017:

Die Daktiker geben satirische Lehrstunde

Gütersloh (dop) - Die Tatortzeichnung in der Aula lässt schon ahnen, welch mörderisches Terrain die heutige Schulwelt darstellt. Tatsache ist: Dort fiel vor einem Jahr ein Lehrer die Stufen hinab – und damit aus seiner Kabarettistenrolle heraus. Er ramponierte sich das Schultergelenk. Schluss mit lustig.

Unmotivierte Schüler treffen auf unfähige Pädagogen: Das Lehrer-Kabarett „Die Daktiker“ - Andreas Boxhammer, Brigitte Lambgen und Hans-Peter Königs - glänzte in der Janusz-Korczak-Gesamtschule.

Dass Hermann-Josef Skutnik jetzt wieder mit seinen drei Mitstreitern von Deutschlands dienstältestem Lehrer-Kabarett „Die Daktiker“ den ganz normalen Wahnsinn des Pädagogenalltags aus dem Ärmel zu schütteln wusste, brachte nicht nur ihm viel Beifall in der Janusz-Korczak-Gesamtschule ein. Pünktlich um 20 Uhr klingelte es am Donnerstagabend zu einer ebenso leichtvergnüglichen wie intellektuell tiefgründelnden Lehrstunde im Fach Überleben.

Mit galligem Humor entführte das spitzfindige, wortgewandte und überaus musizierfreudige Quartett sein Publikum in die offensichtlich gefährlichsten Kampfzonen des pädagogischen Universums (nicht nur) am fiktiven Adolphinum: Kopierer, Klassen und Kollegium. Da wurde munter gestänkert, intrigiert, lamentiert und sich vor jeder Verantwortung gedrückt – frei nach dem Motto: „Was ich nicht weiß, kostet mich keinen Schweiß.“

Mit augenzwinkernder Lust am Frust bedienten die vier Kabarettisten in wechselnden Rollen jedes Klischee, das sich heute um Lehrer - und Schüler - rankt. Gleichzeitig aber gelang es ihnen, mit ihrem Programm „Adolphinum – all inclusive: Keiner bleibt zurück“ jene Quadratur des Kreises aufzuzeigen, die ihre Zunft im Strudel realitätsferner ministerieller Erlasse, kosmetischer Bezirksregierungs-Direktiven und abstruser Elternerwartungen lösen soll.

Wo bleibt da die Zeit fürs Lehren, wenn es nur noch darum geht, „die Evaluation zu evaluieren“ und „jeden Schüler zu integrieren, ob er will oder nicht“? Wer fragt

bei solch einem von oben verordnetem Marketing noch nach Inhalten?

Gekonnt auch die Typencharakterisierung. Hans-Peter Königs glänzt als rotziger Schüler und „Googlehupf“ ebenso wie als fieser, Metaphern dreschender Oberstudienrat Krick.
Er ist mit seinem Latein zwar noch nicht am Ende, aber in den 50er-Jahren steckengeblieben. Ihm ist es ein Vergnügen, junge Schüler alt aussehen zu lassen. Andreas Boxhammer ist der übereifrige, aber unfähige kommissarische Schulleiter Willi R. Lass. Brigitte Lämbgen mimt unter anderem die Lehrergewerkschafterin, die sich vor allem um ihre eigenen Vorteile kümmert. Hermann-Josef Skutnik gibt den ambitionierten Deutschlehrer, der die Fehler im System zwar erkennt, aber nicht beseitigen kann. Da geht es ihm wie dem mehrfach zitierten und launig gerappten „John Maynard“ in Fontanes gleichnamiger Ballade: Der Steuermann rettet zwar alle Passagiere an Bord, bezahlt dafür aber mit seinem Leben.

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